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Finale-Noten sichern: MusicXML exportieren, am besten den ganzen Ordner

Finale wird nicht mehr weiterentwickelt. Wer seine Noten langfristig behalten will, bringt sie jetzt in ein offenes Format.

Kurz gesagt:

  1. Originale kopieren, nie im einzigen Exemplar arbeiten.
  2. In den MusicXML-Voreinstellungen die neueste Version wählen, in der Regel 4.0, und unkomprimiertes XML.
  3. Den ganzen Ordner nach MusicXML übertragen, bei großen Beständen in Teilen.
  4. Zusätzlich ein PDF des fertigen Satzes sichern.
  5. Eine komplexe Datei in einem anderen Programm öffnen und gegen das PDF halten, bevor du das ganze Archiv umziehst.

Finale ist seit August 2024 eingestellt: Es wird nicht mehr verkauft und nicht mehr weiterentwickelt. Bestehende Lizenzen laufen weiter, und MakeMusic hat zugesagt, dass die Autorisierung auf absehbare Zeit möglich bleibt. Was niemand garantieren kann: dass Finale nach dem nächsten Betriebssystem-Update noch startet. Die Dateien .mus und .musx liest im Wesentlichen nur Finale selbst. Deshalb lohnt sich der Umzug in ein offenes Format, solange das Programm bei dir noch läuft.

Der kürzeste Weg ist der Export nach MusicXML. Bei einem großen Archiv musst du ihn nicht Datei für Datei machen.

Menüpfade stehen hier auf Deutsch, die englischen Bezeichnungen in Klammern.


Eine Datei, ein Export

Öffne die Datei und wähle Datei > Exportieren > MusicXML (File > Export > MusicXML). Name und Ort festlegen, speichern. Finale legt eine neue Datei an, das Original bleibt unangetastet.

Sichere zusätzlich ein PDF des fertigen Satzes. MusicXML trägt die musikalische Information, das PDF hält fest, wie die Seite bei dir aussah. Beides zusammen ist die ruhige Variante.


Warum MusicXML

MusicXML ist das offene Austauschformat für Noten in moderner westlicher Notation. Michael Good hat es um 2000 entwickelt, damit ein Satz nicht in einem einzigen Programm gefangen bleibt. Später übernahm MakeMusic, der Hersteller von Finale, die Pflege. Heute wird der Standard von der W3C Music Notation Community Group weiterentwickelt. Mehr als 250 Programme lesen das Format, darunter Dorico, Sibelius, MuseScore und Capella. Eine .musx ist eine Finale-Datei. Eine MusicXML-Datei ist eine Noten-Datei.

PDF und MIDI ersetzen das nicht. Ein PDF ist ein Bild der Seite: Du kannst es drucken und lesen, aber nicht sinnvoll weiterbearbeiten. MIDI kennt Tonhöhen und Rhythmen, aber keine Vorzeichenlogik, keine Dynamik im Notensatz, keine Bindebögen und keine Liedtextsilben. MusicXML trägt genau diese Schicht: Noten, Pausen, Tonarten, Taktarten, Artikulation, Dynamik, Liedtext und Stimmenzuordnung.

Nicht alles kommt eins zu eins an. Seitenlayout, manche Grafiken und programmspezifische Ausdrücke bleiben oft auf der Strecke. Der Satz ist danach spielbar und weiterbearbeitbar, aber nicht automatisch verlagsfertig. Öffne deshalb eine komplexe Datei einmal im Zielprogramm und halte sie gegen das PDF, bevor du den Rest des Archivs umziehst.

Warum der Export aus Finale die beste Quelle ist

Finale unterstützt MusicXML seit vielen Jahren, und MakeMusic hat das Format zuletzt selbst weiterentwickelt. Finale 27 unterstützte MusicXML 4.0 bereits zum Erscheinen.

Michael Good hat den entscheidenden Punkt im August 2024 im Steinberg-Forum formuliert: MusicXML-Dateien enthalten mehr Details zum Notensatz als Finale-Dateien. Vieles, was Finale auf dem Bildschirm zeigt, berechnet das Programm selbst und speichert es nicht in der Datei. Der MusicXML-Export schreibt diese Informationen mit. Ein fremder Leser für .musx hätte davon weniger, nicht mehr.

Deshalb ist der Weg über Finale der richtige, solange Finale bei dir noch startet. Es gibt Werkzeuge, die .musx-Dateien ohne Finale in MusicXML übersetzen. Für einfache Dateien taugen sie als Notnagel. Für einen Bestand, an dem Layout, Artikulation und Stimmen hängen, bleibt der Export aus Finale die bessere Quelle. Alte .mus-Dateien lesen diese Werkzeuge ohnehin nicht.

Den ganzen Ordner auf einmal

Ab Finale 25 steckt der MusicXML-Export direkt im Programm, und in den Versionen 25, 26 und 27 ist der Weg derselbe. Die Funktion liegt im Menü **Datei > Exportieren**. Die Anleitung von MakeMusic dazu findest du hier.

  1. Vorbereiten. Lege die .musx- und .mus-Dateien in einen Ordner. Kopiere die Originale vorher, arbeite nie am einzigen Exemplar. Starte Finale und schließe das Startfenster.
  2. Voreinstellungen setzen. Der Ordner-Export übernimmt, was in der Dialogbox der MusicXML-Voreinstellungen steht. Du öffnest sie unter Datei > Exportieren > MusicXML-Voreinstellungen (File > Export > MusicXML Preferences). Drei Einstellungen lohnen sich vor dem ersten Lauf:
    • 🔢 Die neueste XML-Version, in der Regel 4.0. Finale 27 kann sie schreiben. Prüfe die Einstellung trotzdem: Bei manchen Installationen steht noch 3.1. Die Anleitung von MakeMusic zeigt, wo du die Version wählst. 4.0 transportiert mehr, etwa verknüpfte Stimmen. Liest dein Zielprogramm 4.0 nicht oder nur mit Warnungen, ist 3.1 die sichere Wahl. Im Zweifel exportierst du eine Testdatei in beiden Versionen und öffnest sie in dem Programm, mit dem du später arbeiten willst.
    • 📄 Unkomprimiertes XML. Die komprimierte Datei (.mxl) ist kleiner und reicht zum Ablegen. Unkomprimiertes XML (.musicxml oder .xml) lässt sich öffnen, vergleichen und weiterverarbeiten, zum Beispiel mit xml2ly. Für ein Archiv, das nicht in Finale stecken bleiben soll, ist das die bessere Wahl. Die Einstellung für den Ordner-Export lässt sich getrennt von der für einzelne Dateien festlegen.
    • 📁 Include subfolders. Liegen die Stücke in Unterordnern, setze diese Option. Ohne sie bearbeitet der Export nur die oberste Ebene.
  3. Übersetzen. Wähle Datei > Exportieren > Ordner mit MusicXML-Dateien konvertieren (File > Export > Translate Folder to MusicXML) und gib den Ordner an.
  4. Warnung lesen. Finale warnt, dass vorhandene Dateien gleichen Namens überschrieben werden. Stimme nur zu, wenn das in Ordnung ist.

Die neuen Dateien liegen danach im selben Ordner wie die Finale-Dateien. Die Originale bleiben liegen.

Grenzen und Stolperstellen

Gleichnamige Dateien in verschiedenen Unterordnern kollidieren, sobald alles in einem Ziel landet. Außerdem öffnet Finale jede Datei in einem eigenen Fenster und schließt sie nicht zuverlässig wieder. Bei sehr großen Stapeln wächst der Speicherverbrauch, bis das Programm mitten im Lauf abbricht. Arbeite lieber in Häppchen, zähle am Ende, ob zu jeder Finale-Datei eine MusicXML-Datei existiert, und ziehe den Rest nach.

Nach Berichten von Nutzern funktionierte der Ordner-Export in Finale 27.1 auf manchen Windows-Rechnern nicht. Ab 27.2 läuft er wieder. Hast du Finale 27, aktualisiere vorher auf den letzten Stand. Hängt der Menüpunkt trotzdem, kannst du den Export über Plug-ins > FinaleScript > Batch Process > Batch Export MusicXML versuchen.

Wenn nichts mehr geht: ältere Finale-Versionen

Bis Finale 2014.5 lief der volle Export über das Zusatzprogramm Dolet. Dolet 7 kann ebenfalls ganze Ordner übersetzen, schreibt aber nur MusicXML 3.1. Es ist ein 32-Bit-Plug-in, verlangt 32-Bit-Java und läuft offiziell mit Finale 2011 bis 2014.5. Auf einem aktuellen Windows oder Mac scheitert die Installation oft, unter macOS ab Catalina funktioniert es gar nicht mehr. Wer bei einer älteren Installation beim Export eine Fehlermeldung zu einer fehlenden MusicXML.dll sieht, hat meist ein Problem mit diesem Plug-in, nicht mit den eigenen Noten.

Der praktikable Weg: die Dateien nicht in der alten Installation retten, sondern in einer neueren öffnen. Finale 25 und später liest ältere .mus- und .musx-Dateien, danach gilt derselbe Ordner-Export wie oben. Öffnet nur die alte Version die Dateien noch, drucke vorher ein PDF. Das sichert das Notenbild, auch wenn der Export nicht mehr läuft. Ein fremdes Werkzeug, das .musx ohne Finale liest, ersetzt diesen Export nicht, und alte .mus-Dateien liest es gar nicht.

Was du behältst

  • die Originaldateien .mus oder .musx, solange Finale noch startet
  • eine MusicXML-Datei pro Stück, als das Format, das andere Programme lesen
  • ein PDF des fertigen Satzes, als Bild der Seite

Drei Kopien, an zwei Orten. Eine einzelne Festplatte ist kein Archiv.

Und danach?

Wer den Bestand nicht nur sichern, sondern als Ausgabe veröffentlichen will, kann die MusicXML-Datei als Grundlage einer Notation im Soundnotation Creator hochladen. Stimmen MusicXML und das daraus erzeugte PDF, lässt sich daraus eine Edition machen. Bei uns gilt: Arbeitsdateien wie Noten bleiben offen, weiterbearbeitbar und nicht an ein eingestelltes Programm gebunden. So bleiben sie nutzbar, auch wenn eine Software wegfällt.

Wenn du deine Noten über uns vertreiben willst und bei den Dateien feststeckst, melde dich über das Kontaktformular. Schreib kurz die Finale-Version dazu und ob sich die Dateien noch öffnen lassen. Wir prüfen am Bestand, ob wir den Export in Einzelfällen übernehmen können. Das ist kein laufendes Angebot: Die Dateien müssen sich öffnen lassen, und der Umfang muss passen.

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